• Sagen & Erzählungen

  • 1

Sagen

Der Kristberg hat eine sehr lange Geschichte welche auf die Bergbauzeit und die St. Agatha Bergknappenkirche zurück zuführen ist.
Auf den nächsten Seiten findest Du 5 Sagen und Erzählungen aus dieser Zeit, welche Dir einen mystischen Einblick über die alten Geschichten geben.

Die Sage der St. Agatha Kapelle

Die Kirche zur Heiligen Agatha auf dem Kristberg ist die Älteste der jetzt stehenden Kirchen im Montafon. Sie wurde zu Beginn des 15. Jahrhunderts erbaut und verdankt ihre Entstehung dem Bergbau.
Bergknappen (Bergleute) haben sie gebaut, und es wird erzählt, in unmittelbarer Nähe der Stelle, an der die Kirche jetzt steht, sei ein Schacht oder ein Stollen gewesen, und als eines Tages die Bergknappen im Stollen arbeiteten, wären hinter ihnen der Stollen eingestürzt und die Bergleute hätten an einer Möglichkeit gerettet zu werden, gezweifelt.

Und wie es eben ist, wenn man sich in größter Not und Lebensgefahr befindet, fängt man an zu beten und zu versprechen. Und so hatten auch die eingeschlossenen Bergleute das Versprechen gemacht, sie wollten eine Kapelle oder eine Kirche bauen, falls ihr Leben gerettet würde.

Heraußen habe man auch gesehen, was passiert war, und man habe in der größte Eile mit den Rettungsarbeiten begonnen. Die Rettung sei gelungen und die Bergknappen hätten auch ihr Versprechen gehalten. Heute erzählt man die Einlösung ihres Versprechens zu den schönsten ihrer Taten, darum Ehre ihrem Andenken.

Die Sage vom Bischof Theodul

Das Wahrzeichen vom heiligen Bischof Theodul ist der Teufel mit der Glocke.

Die Legende erzählt, dass Bischof Theodul einst auf einem Spaziergang einer Schar ausgelassener Teufel begegnet sei. Als Bischof Theodul nach dem Grund der Freude der Teufel fragte, bekam er folgende Antwort, in dieser Stunde würde der Papst in Rom einer schweren Versuchung unterliegen und damit in ihre Gewalt kommen.

Bischof Theodul sagte voll entsetzen, wenn er in Rom wäre, könnte er die Seele des Papstes retten. Die selbstsicheren Teufel hätten ihn dann nach Rom getragen, um ihn von seiner unnützen Absicht, die Seele des Papstes zu retten, zu überzeugen.

Doch Bischof Theodul schaffte es, den Papst vor der Versuchung zu retten. Aus Dankbarkeit übergab ihm der Papst eine wertvolle Glocke zum Geschenk und die Teufel mussten ihn und seine Glocke in die wallisische Heimat zurücktragen.

Die Sage von den Petrusschlüsseln

Zu Beginn des 15. Jahrhunderts, also etwa um 1400 herum, gab es auf der ganzen Welt einen schrecklichen Streit.

Die geistlichen und weltlichen Verhältnisse gestalteten sich so, dass anlässlich einer Papstwahl auf einmal 3 Päpste auftraten, die sich mit Hilfe der weltlichen Mächte gegenseitig bekämpften.
Jeder wollte der richtig gewählte Papst sein, und so kam es, dass die Römer ihren Papst wollten, die Franzosen einen anderen usw. Es entstand ein Durcheinander, dem man Abhilfe schaffen musste, und es kam zum Konzil zu Konstanz in der Zeit von 1414 bis 1418.

Zu diesem Konzil erschienen 26 Fürsten, 3 Patriarchen, 29 Kardinäle, 1800 Geistliche und über 70.000 Laien. Auch die 3 Päpste wurden vorgeladen und unter diesen war Papst Johannes XXIII., der römische, von dem manche annehmen, dass es vielleicht der richtig gewählte gewesen sei.

Dieser kam mit seinem großen Gefolge von Rom aus über den Brenner nach Innsbruck, von dort durchs Oberinntal herauf und unter vielen Mühen und Entbehrungen über den Arlberg bis nach Dalaas.
Dort wurde die ganze Reisegesellschaft plötzlich aufgehalten, da in der Nachbargemeinde Braz die Pest ausgebrochen war.

Die Reisegesellschaft kam in große Verlegenheit. In einigen Tagen sollte sie schon in Konstanz sein, und den weiten Rückweg nach Rom anzutreten schien auch nicht geraten.
Da seien die Montafoner schlüssig geworden, Hilfe zu leisten. Sie hätten einen Tragstuhl oder eine Sänfte gebaut und Papst Johannes XXIII. über den Kristberg ins Montafon getragen.
Der Papst habe dann die Weiterreise nach Konstanz durchs Montafon unternehmen können, und zum Dank für dieses schöne Entgegenkommen hätten die Montafoner das Privileg erhalten, den Petrusschlüssel in ihr Wappen aufnehmen zu dürfen.

Auf Grund der päpstlichen Urkunde wären die Montafoner berechtigt, nicht nur das kleine, sondern auch das große päpstliche Wappen (Petrusschlüssel mit der aufgesetzten Tiara) in ihr Wappen aufnehmen zu dürfen.

Die Montafoner sind aber bescheidene Leute und sind mit dem kleinen zufrieden, wie man es in Schruns am Gemeindehaus, am Haus des Standes Montafon, am Gerichtsgebäude, am Kurhaus, am Heimatmuseum usw. und in vielen Schriften, die das Tal Montafon betreffen, ersehen kann.

Das Begleitpersonal des Papstes (ca. 300 Personen) und die Fahrzeuge konnten unmöglich den Weg über den Kristberg unternehmen und seien, mit Umgehung der von der Pest gefährdeten Stelle in Braz, glücklich in Bludenz eingetroffen.

In Konstanz wollte sich Papst Johannes XXIII. den Wünschen und Ratschlägen des Konzils in keiner Weise fügen, geriet mit den Konzilsvertretern in derart heftigen Streit, dass er sich schließlich als Jäger verkleidete und nach Schaffhausen hinab flüchtete.

Alle 3 Gegenpäpste wurden dann abgesetzt und Martin V. (Ein römischer Adliger aus dem Hause Collona) zum Oberhaupt der Kirche bestellt. Johannes der XXIII. verlor auf diese Weise Amt und Würde.

Das Bruderhüsli

Wirklichkeit oder Sage


Mit der Geschichte des Kristbergs und des Agathakirchleins aufs engste verbunden ist das Bruderhüsli.

Steigt man von der Höhe des Kristbergsattels ein paar Minuten in Richtung Dalaas ab, so gelangt man zu einer einsamen Waldkapelle - dem "Bruderhüsli".

Hier lebte im ausgehenden 15. Jahrhundert der Waldbruder Joss (Jodok) Erhard. Da in einer Urkunde auch seine Frau Anna erwähnt wird, ist anzunehmen, dass der Einsiedler (auch Frater genannt) nach dem Beispiel des Bruders Klaus von Flüe lebte, der in der Schweiz das eheliche Zusammenleben mit Zustimmung seiner Frau aufgab, um Gott in der Einsamkeit zu dienen.
Er baute sich auf der waldigen Höhe eine Klause und eine Kapelle zum Heiligen Geist.

Dieser Waldbruder lebte in engem Kontakt mit den zu beiden Seiten des Kristbergsattels arbeitenden Bergleuten. An seiner Klause vorbei führte der wichtige Verbindungsweg vom Kristberg hinab ins Klostertal.

Auch nach der Bergbauzeit behielt dieser Weg für die Silbertaler und besonders für die Bewohner des Kristbergs seine Wichtigkeit.

In einer Urkunde wird erwähnt, dass der Messner zu St. Agatha auf dem Kristberg von der Gemeinde Silbertal den Auftrag hatte, für die Erhaltung dieses Weges zu sorgen. Erst als 1840 aus dem Tal eine Straße nach Schruns gebaut wurde, verlor der Weg an Bedeutung.

Es herrschte also reges Leben um die Klause des Einsiedlers Joss Erhard. Gar mancher Bedrückte trug seine körperlichen und seelischen Nöte zu ihm und holte Rat und Hilfe.
Der Einsiedler übte einen großen Einfluss auf das religiöse Leben der Bergleute aus. Er war der Mitbegründer und Hauptstifter der berühmt gewordenen Dreifaltigkeits-Bruderschaft auf dem Kristberg.
Diese Bruderschaft musste eine sehr große Mitgliederzahl im ganzen Bergbaubezirk gehabt haben, denn aus einer Denkschrift geht hervor, dass vor etwa 350 Jahre allein aus dieser Vereinigung 400 Mitglieder an der Pest starben.

Gegründet wurde obgenannte Bruderschaft im Jahre 1493 am Montag nach dem Dreifaltigkeits-Sonntag. Auf Antrag des Pfarrers Jodok Greber im Silberberg, des Pfarrers Johann Spitzennagel in St. Gallenkirchen, des Fraters Jodok (Joss) Erhard und seiner Frau Anna sowie anderer Mitbürger und Mitschwestern bestätigte Bischof Heinrich von Chur am 21. November 1500 diese Bruderschaft.
In Rücksicht auf diese Bruderschaft erteilten 24 römische Kardinäle im Jahre 1500 der " Capella St. Agatha zu Kristberg" einen Ablass von 100 Tagen an die Gläubigen, die nach reumütiger Beichte diese Kirche besuchten.

Auf Betreiben der Bruderschaft wurde im Jahre 1501 an der Agathakirche eine eigene Kaplanei gestiftet. Diese unterstand dem jeweiligen Pfarrherrn von Silbertal. Der Kaplan war verpflichtet, wöchentlich einmal in der Kapelle des Heiligen Geistes im Wald, also bei der Klause des Einsiedlers Joss Erhard, eine Messe zu lesen.

In seinem Testament aus dem Jahre 1495 erklärt Bruder Joss Erhard aus Dalaas, wohnhaft auf Kristberg, er habe zur Ehre Gottes und Mariens und zum Seelenheil seiner Vorderen und Nachkommen und aller jener, die ihm je Gutes getan, auf Kristberg im Wald ein "Capellin" und ein "Hüsli" gebaut und wolle hier bleiben und Gott dienen.

"Weil ihm nun die lieben Brüder auf Kristberg zu St. Agatha, genannt die Bruderschaft der heiligen Dreifaltigkeit, so daselbst angefangen ist, so zu solchem Bau, auch zu Gottesgezierde, die darin sind, merklich geholfen und milde Steuer und Handreichung daran gegeben, in Hoffnung, dass das löbliche Amt der heiligen Messe daselbst vollbracht sollte werden, so testiere und verordne, verschaffe und vermache er auf seinen Todesfall und, wenn niemand mehr im Wald in seinem Häuslein leben und da Gott in solcher Gestalt wie er dienen wolle, das Häuslein und alle Gottesgezierden im "Capellin" - es seinen Kelch, Brüder, Messgewand, Glöcklein, Tafeln und andere Zierden - was da noch vorhanden, da die genannte Bruderschaft, die es nach Belieben gebrauchen könnte".

Der Waldbruder Joss Erhart hatte anscheinend keinen Nachfolger. Mit dem Niedergang des Bergbaues ist auch das Wissen um das Wirken dieses Mannes aus dem Gedankengut der Bevölkerung von Silbertal und Dalaas entschwunden. Kapelle und Klause fielen dem Zahn der Zeit zum Opfer. Heute sind nur noch kärgliche Reste von Grundmauern vorhanden, und auch sie sind überwuchert von Moosen und Farnen.

Vor etwa 150 Jahren hat ein Pfarrherr aus Silbertal dieses Testament entdeckt und, vom Inhalt der Schrift bewegt, dem Andenken des Einsiedlers in der Nähe der früheren Klause eine Kapelle bauen lassen.

Diese Kapelle heißt im Volksmund "Das Bruderhüsli". Die Bewohner der Umgebung haben um diese Kapelle eine eigene Sage gesponnen.

Die Bruderschaft HEUTE

Die einmaligen Beiträge der heutigen Mitglieder werden für den Erhalt der St. Agatha Kapelle und in Not geratene Bruderschaftsfamilien eingesetzt. Jedes Jahr findet am Montag nach dem Dreifaltigkeits-Sonntag ein Gottesdienst in der St. Agatha Kappel statt. Die Silbertaler Schulkinder haben nach dem Besuch des Gottesdienstes immer "Schulfrei", da es ein Silbertaler Feiertag ist.

Anmerkung zur Taufe von totgeborenen Kindern

In der 1865 abgebrochenen Pfarrkirche zum heiligen Jodok in Schruns wurden laut Pfarrchronik wiederholt totgeborene Kinder bedingungsweise getauft. Besonders viel derartige Taufen erfolgten in den Jahren zwischen 1740 und 1780. Die meisten dieser Kinder wurden auch auf dem Friedhof zu Schruns bestattet.
Das Sterbebuch der Pfarre Silbertal weiß zu berichten, dass im 18. Jahrhundert einige totgeborene Kinder in Schruns getauft wurden. Sogar aus Liechtenstein, Tirol und dem Allgäu sind Kinder aus diesem Anlass nach Schruns gebracht worden. Ähnliches wie in Schruns geschah auch im Dorf Serfaus im Tiroler Oberinntal.

Die Sage vom Bruderhüsli

Vom Kristberg über der kleinen Kirche zu St. Agatha führt ein steiler Zickzackweg, holprig und schmal den waldigen Berghang hinab nach Dalaas. Ungefähr Mitte Weges steht in stiller Waldeinsamkeit eine kleine Kapelle, geschmückt mit einem lieblichen Muttergottesbild. Dieses Käppele heißt im Volkmund das Bruderhüsli. Jeder, der den mühevollen Weg vorbeikommt, setzt sich gerne zur Rast bei der Kapelle hin.

Als seine Gründer und Stifter nennt die Sage einen längst dahingeschiedenen Tannberger. Dem wurde ein Knäblein geboren, das Kind aber war tot zur Welt gekommen und konnte nicht mehr getauft werden, was den frommen Vater sehr betrübte.

Solche totgeborenen, ungetauften Kinder pflegte man damals in Schruns im Montafon in die Kirche zu tragen und sie da auf den Josefi-Altar zu legen. Dann zog man glaubwürdige Zeugen bei und betete, und siehe! oft geschah es, dass in die toten Hüllen das Leben auf eine kurze Zeit wiederkehrte und der eilends herbeigerufene Priester die heilige Taufe erteilen konnte.

Der Tannberger, voll gläubigen Sinnes, befahl seinem Knecht, die Leiche des Kindes auch nach Schruns zu tragen. Der Knecht mochte die Sache als Aberglauben ansehen, er trug die Kindesleiche nur bis in den Dalaaser Wald, grub sie dort ein und kehrte wieder um.

Daheim meldete er, er habe das tote Knäblein auf dem Josefi-Altar in Schruns niedergelegt, es habe durch ein plötzliches Rotwerden der Wangen und Lippen unzweifelhafte Zeichen des Lebens gegeben und sei ordentlich getauft und zur geweihten Erde bestattet worden. Der Vater gab sich zufrieden.

Nach einem Jahr ward der Tannberger von seiner Ehefrau wieder mit einem Knäblein beschenkt, aber auch dieses kam tot zur Welt. Diesmal war es der Vater selbst, der die Leiche nahm und sich damit auf den Weg nach Schruns machte, um seinem Kinde die heilige Taufe zuzuwenden.

Er hatte etwa die Hälfte des Weges von Dalaas auf die Höhe des Kristberges zurückgelegt, als er sich ermüdet niedersetzte, um eine Weile auszuruhen. Wie er so da saß und sich den Schweiß von der Stirn wischte, rief es neben ihm, wie er glaubte, unter einer Erdscholle: "Ätti, nimm mi o met!" (Vater nimm mich auch mit!). Die Stimme rief bald noch einmal recht wimmernd und kläglich. Der Tannberger grub nach und siehe! da kam die unversehrte Leiche seines letztjährigen Kindes zum Vorschein, das er an einem Muttermal deutlich erkannte. Er erriet den Betrug des Knechtes, machte sich mit beiden Leichen auf den Weg und trug sie nach Schruns.

Dort ging sein heißer Wunsch in Erfüllung. Die Kindesleichen gaben während der Gebete der andächtigen Zeugen auf einige Augenblicke deutliche Lebenszeichen, konnten gültig vom Priester getauft und auf dem Friedhof beerdigt werden.

Zur ewigen dankbaren Erinnerung an diese Begebenheit ließ der Tannberger an der Stelle, wo er die Kindesleiche ausgegraben, das Bruderhüsle bauen und begabte es mit einer Stiftung, um es fortan in baulichen Ehren erhalten zu können.